Reiseblog von Olivia...

Servus, ich bin Olivia,

das schwarze Schaf, und mir ist heute was Sonderbares passiert.

Davon will ich Euch

in meinem Reiseblog erzählen...

 

 

 

02. Dezember 2022

Hallo Ihr,

wieder liegt eine Wegstrecke hinter mir. Stella führte mich über eine dürre Ebene – fast schon eine Wüste. Zeitweise bekam ich echt Panik – schließlich brauch ich als Schaf ja ab und an Gras zum Essen und was zu trinken.

Stella aber beruhigt mich. „Hab keine Angst – bald schon kommen wir wieder auf fruchtbares Land, wo wieder Gras wächst. Im Leben gibt es auch mal dürre und trockene Zeiten, die nie zu enden scheinen. Dann musst du darauf vertrauen, dass es besser wird.“

Mir fällt dazu was ein, was uns unser Hirte mal aus der Bibel vorgelesen hat: Das ausgetrocknete Land wird total glücklich sein. Da, wo sonst nichts wächst, wird man feiern. (Jes 35,1bff)

„Das ist ein schönes Versprechen“, meinte Stella lächelnd. „Es hat auch ein wenig mit unserer Reise zu tun. Aber nun schau, da hinten ist ein Bach und eine fette Weide, auf der wir Pause machen können.“

Voller Freude hüpfte ich auf die Wiese zu und schlug mir erst mal den Bauch mit leckerem Gras voll.

Bis bald, Eure Olivia

01. Dezember 2022

So, liebe Leser*innen meines Reiseblogs,

da bin ich wieder. Es ist inzwischen Morgen geworden und ich ruhe mich aus. Weil Stella ein Stern ist und bekanntlich nachts leuchtet, werde ich die nächste Zeit im Dunkeln unterwegs sein und tagsüber Pause machen. Klingt ein wenig gruselig, ist aber gar nicht so schlimm. Stella ist ein sehr zuverlässiger Stern, sie leuchtet mir den Weg und in ihrem Lichtschein fühle ich mich sicher.
Ein wenig erinnert mich das an etwas, das uns unser Hirte mal aus einem dicken Buch, der Bibel, vorgelesen hat.
„Menschen, die im Dunkeln tappen, werden plötzlich ein krasses Licht sehen. Leute, die dort wohnen, wo es richtig finster ist, sehen plötzlich was ganz Helles über sich.“ (Jes 9,1 -2 Volkxbibel)

Das hat mich schon damals bewegt – irgendwie fühle ich mich oft so einsam und planlos – wie im Dunkeln eben. Mitten in diese Finsternis strahlt dann ein Licht, das Trost und Orientierung gibt. Für mich ist Stella im Moment so ein Licht.

Eure Olivia

1. Adventssonntag

Noch weiß ich nicht, wohin mein Weg führt – es bleibt also spannend. Aber erst mal zu mir: Ich bin Olivia und lebe als einziges schwarzes Schaf in einer Herde mit lauter weißen Schafen. Manchmal ist das schon nervig, kann ich Euch sagen – ich würde so gerne sein wie die anderen, einfach dazugehören, und falle doch durch mein Äußeres auf. Immer wieder passiert es mir, dass die anderen sich gemeinsam verabreden, auf einer besonders leckeren Weide zu grasen, und mich nicht fragen, ob ich mit will. Dabei bin ich doch ein Schaf wie sie, ich habe halt einfach nur schwarze Haare...

Heute war das wieder so: Ich stand ein wenig abseits und hab nur mitbekommen, wie sie miteinander tuscheln, und dann auf einmal alle zusammen weglaufen. Ich sah 19 Schafe von hinten und bin ihnen nach.

Leider bin ich nicht so schnell, weshalb ich sie bald aus den Augen verloren hab. Plötzlich stand ich am Waldrand – mutterseelenallein und hatte keinen Plan, wo ich bin.

Ich kann Euch sagen – mir rutschte das Herz in die Hose bzw. ins Fell. Da hörte ich auf einmal eine leise Stimme die mir zuflüsterte:

„Keine Angst, Olivia, ich bin bei dir und möchte dich auf eine Reise mitnehmen.“

Irritiert schaute ich mich um – niemand da.

“Hier oben“, flüsterte die Stimme und ich schaute in den Himmel – es war inzwischen schon dunkel geworden und die Sterne leuchteten. Auf einmal fiel mir ein kleiner Stern auf, der ein wenig abseits von den anderen war und mit mir redete

„Ich bin Stella, dein Wegstern und möchte dich mit auf eine Reise nehmen“, rief sie mir zu. „Folge mir einfach, wenn ich am Himmel entlang wandere – ich verspreche dir, du wirst es nicht bereuen. Vertraust du mir?“

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund fiel es mir leicht, mit Überzeugung „Ja“ zu antworten, denn tief in meinem Inneren spürte ich, dass dies eine Reise zum Glück wird. Ich folgte also Stella, die langsam den Himmel entlang nach Osten wanderte – wohin, kann, ich Euch jetzt noch nicht sagen.

Eure Olivia